Am Morgen verabschiedeten wir uns von den Mädchen und Schwestern im Foyer, wo wir eine sehr schöne Zeit verbracht hatten.
Unsere erste Station war die Schule in Wempea 1. Dort überprüften wir die Reparaturen und die neu gepflanzten Bäume. Eine Wette zwischen Klaus und Edmund sorgte für Spannung, doch schon aus der Ferne war klar: Die Bäume stehen – sehr zur Freude aller, auch wenn es für Klaus teuer wird.
Auf dem Weg nach Moussaboudougou veränderte sich die Landschaft, und die Straßen wurden zunehmend schlechter. In dem Dorf, dessen Name „Dorf der dicken Frauen“ bedeutet, wurden wir von vielen Kindern empfangen. Nach Reden, Tänzen und einem gemeinsamen Essen führte uns der Weg weiter zur nächsten Einweihung.
In Gnafango wurden wir mit Balafonmusik und Gesang der Frauen empfangen. Es war eine große Einweihung mit vielen Kindern. Dort zeigte sich leider, dass die Schule bereits einige Schäden aufwies, da das Dorf beim Bau nur sehr schlecht mitgearbeitet hatte. In der Menge entdeckte ich drei Albinos und konnte ihnen mit Sonnenbrillen eine kleine Freude machen, um ihre Augen vor der Sonne zu schützen. Im Anschluss drehte ich noch eine Runde mit der Kamera über den Schulhof, stets begleitet von einem Pulk Kinder.
Am Abend traten wir den anstrengenden Rückweg an und erreichten bei Einbruch der Dunkelheit Bobo-Dioulasso. Zurück in der Mission luden wir die Fahrzeuge aus und bezogen unsere Zimmer.
6:45, alle Zelte abgebaut und die Koffer gepackt- es geht zurück nach Bobo. Auf dem Weg werden wir noch zwei Einweihungsfeiern und einen Kontrollbesuch machen!Schöne Nachricht aus Wempea 1, Claudias Schimpfen hat geholfen, sie haben 24 große Bäume gepflanzt und die Bänke repariert!
Der Tag beginnt voller Leben: Mit dem Pick-up fahre ich durch den Markt von Banfora. Auf der Ladefläche liegen zwei große Säcke Kohl, dazu Auberginen und Zucchini. Eine Gruppe Mädchen ist für eine Woche fürs Kochen eingeteilt und erledigt mit viel Lachen und Energie die Einkäufe. Der Markt ist bunt, laut und einfach wunderbar lebendig.
Später folgt ein kleines Fotoshooting: Jede der Mädchen darf ein Foto machen, anschließend einen Fragebogen ausfüllen – und als Überraschung bekommt jede ein Paar Ohrringe geschenkt. Die Freude darüber ist riesig, es wird gelacht, bestaunt und sofort ausprobiert.
Am Nachmittag bespreche ich mit Soeur Pelagie die Finanzen des Internats und die Situation der einzelnen Mädchen. Währenddessen tobt ganz in der Nähe ein Fußballmatch: Zwei Gruppen spielen barfuß gegeneinander, die Stimmung ist wahnsinnig. Lautes Anfeuern, Jubelrufe und pure Begeisterung erfüllen die Luft.
Am Abend sitzen wir schließlich zusammen und basteln Armbänder. Mit bunten Perlen und Schnüren wird geknüpft, gefädelt und ausprobiert. Es ist ein ruhiger, fröhlicher Ausklang eines erfüllten Tages.
Wir erleben eine wunderbare Einweihungsfeier der Grundschule Tiéfora 2. Die Direktorin und ihr junger Kollege, die im vergangenen Jahr den Antrag gestellt haben, empfangen uns überaus herzlich – mit offenen Armen und warmen Umarmungen. Der gesamte Schulhof ist beeindruckend sauber und gepflegt, ebenso die Klassenräume. Man spürt sofort den Stolz auf diese Schule.
Finanziert wurde sie durch den Spendenlauf der Grundschule Hillesheim. In meiner Rede erzähle ich davon, wie die Kinder in Hillesheim unermüdlich Runde um Runde gelaufen sind, um genügend Spenden zu sammeln. Diese Geschichte erfüllt das ganze Dorf mit großer Freude und Dankbarkeit.
Als besonderes Geschenk haben wir den Kindern den Grundschulsong aus Hillesheim mitgebracht und ihn ihnen vorgespielt. Die Direktorin beginnt spontan, gemeinsam mit den Kindern dazu zu tanzen – ein bewegender Moment voller Lebensfreude und Verbundenheit.
Wir tauschen Geschenke aus. Es ist etwas ganz Besonderes, dass die Direktorin persönlich drei Stoffgeschenke besorgt hat. Auch hier wird ihre tiefe Freude und ihr großes Engagement deutlich sichtbar. Das Dorf schenkt uns zusätzlich einen weißen Hahn und zwei Truthähne. Ich nehme einen der Truthähne in Empfang und halte ihn an den Füßen fest – erstaunlich, wie schwer dieser Vogel ist.
Anschließend besichtigen wir gemeinsam die Schule und machen unzählige Fotos: mit den wichtigen Politikern, mit den ältesten Männern und Frauen des Dorfes, mit den Lehrern, den Lehrkräften der Nachbarschule und den jungen Leuten. Währenddessen ist Christina ständig mit der Kamera unterwegs und macht viele ausdrucksstarke Porträtfotos – immer auf der Suche nach besonderen Motiven für den neuen Kalender.
Zum Abschluss werden wir großzügig bewirtet: mit kühlen Getränken, Pommes frites und Hähnchen. Wir alle bedauern sehr, dass wir am Abend wieder aufbrechen müssen, um die schwierige Sandpiste noch bei Tageslicht zu passieren. Gerne wären wir länger geblieben – an diesem besonderen Ort voller Herzlichkeit und Gemeinschaft.
Zurück im Foyer Monique. Pünktlich zur Messe sind wir wieder im Foyer. Hier wird getanzt, getrommelt und laut gesungen. Ein Dankeswort geht an den Solidaritätskreis, an Charly und Michael, die Freiwilligen von Sophia, die Pateneltern und an alle Spender.
Viel Zeit bleibt nicht zum Innehalten, denn nach der Messe essen wir schnell. Der kulturelle Abend wartet schon, voller Versprechen. Und er hält sie alle.
Eine Gruppe mit zwei Balafonen und vielen Trommeln beginnt zu spielen. Der Rhythmus geht direkt unter die Haut. Die Mädchen vom Foyer, die Nonnen und wir – wir tanzen gemeinsam. Keine Grenzen, kein Zögern. Nur Bewegung, Freude und ein Miteinander, das Worte überflüssig macht.
Die Stimmung ist überwältigend. Traditionelle Tänze aus allen Regionen Burkina Fasos folgen einander, jeder mit eigener Geschichte, eigener Kraft. Barfuß im Sand tanzen wir, den Boden unter den Füßen, den Rhythmus im Körper, das Lachen im Gesicht. Und wir sind mittendrin, nicht Zuschauer, sondern Teil dieses lebendigen Ganzen.
Über zwei Stunden spielt die Gruppe, unermüdlich, leidenschaftlich. Und selbst danach ist noch nicht Schluss: Die Mädchen trommeln und singen weiter mit uns, als wollten sie diesen Moment festhalten, verlängern, für immer bewahren.
Als es schließlich Mitternacht wird, sind wir todmüde – und unendlich glücklich. Mit vollen Herzen und klingenden Ohren gehen wir ins Zelt zum Schlafen. Der Sand an den Füßen, die Musik im Kopf und das Gefühl, genau am richtigen Ort gewesen zu sein.
Heute Morgen packen wir unsere Taschen in der Mission, denn wir werden die nächsten Nächte in Banfora übernachten. Auf dem Weg dorthin halten wir kurz in einem Dorf an, wo die Leute einen Antrag auf eine neue Schule gestellt haben. Wir möchten uns gerne die Situation vor Ort anschauen und überprüfen, ob alle Angaben stimmen. Dann fahren wir weiter zu unserer Einweihung. Wir sind heute in Wempea 1. Im letzten Jahr konnten wir die Baustelle besichtigen und haben gesehen, wie das Gebäude entsteht. Als wir ankommen, sehen wir, dass es wohl keine große Einweihungsfeier geben wird. Das ist für uns kein Problem, denn wir haben ja schon viele Einweihungsfeiern miterlebt. Leider stellt sich schon während der Reden heraus, dass es heute sehr schwierig wird. Wir erfahren in den Reden, dass das Dorf sehr froh über die Realschule ist, denn die Kinder hätten lange und gefährliche Schulwege gehabt. Es hätte mehrere Unfälle mit Fahrrädern gegeben und teilweise seien die Mädchen schwanger zurückgekommen. Da es nur eine kleine Einweihungsfeier mit einigen wenigen Leuten ist, halte ich meine Rede spontan. Ich frage das Dorf, ob sie wissen, wofür der Zaun gebaut wurde und sie können mir die Frage beantworten, denn Ihnen ist bewusst, dass sie Bäume pflanzen sollen. Leider wurde seit der Fertigstellung der Schule vor einem Jahr kein einziger Baum gepflanzt. Als ich wie immer mir vom Direktor die Zahlen geben lasse, stellt sich heraus, dass die vier neuen Klassenräume immer noch nicht genutzt werden. Ich versuche meinen Unmut darüber sehr deutlich in Worte zu fassen, Anselm macht es auf afrikanische Art und Weise deutlich diplomatischer. Ich ärgere mich sehr, wenn die von uns finanzierten Projekte nicht umgehend genutzt werden. Der Direktor gibt an, sie hätten keine Lehrer zugewiesen bekommen. Dies habe ich an anderen Schulen schon einmal erlebt, aber nicht in dieser Dramatik. Da Wempea 1 an der Hauptstraße liegt, kann ich mir kaum vorstellen, dass sich nicht ein Lehrer findet, der bereit ist, hier zu unterrichten. Als ich dann noch bei der Besichtigung feststelle, dass viele Bänke, die erst im September von uns geliefert worden sind, schon kaputt sind und nicht repariert wurden, bin ich tief enttäuscht und auch sauer. Der Direktor und die wichtigen Personen aus dem Dorf versprechen die Bänke und die Bäume bis Montag zu reparieren. Wir werden am Montag dort wieder vorbeifahren, ich habe allerdings kaum Hoffnung, dass dann etwas geschehen ist. Manchmal müssen wir wohl akzeptieren, dass es Projekte gibt, die nicht so reibungslos laufen- was für ein Glück, dass dies die absolute Ausnahme ist. Wir fahren weiter ins Foyer Monique nach Banfora. Nach einer herzlichen Begrüßung von den Schwestern und einigen Kindern, gibt es sogar etwas Zeit für einen Mittagsschlaf, der nach der Aufregung am Morgen gut tut. Am Nachmittag treffe ich mich mit dem Aufklärung Team, und wir haben einen sehr produktiven Austausch . Es ist immer schwierig über WhatsApp oder E-Mail zu kommunizieren, so finden wir gemeinsam viel schneller Lösungen. Es ist interessant, zuzuhören, wie sie arbeiten, welche Probleme sie haben und welche neuen Ideen. Nach einem ausgezeichneten Abendessen schaffe ich es endlich, die Mädchen in ihrem Teil zu besuchen. Wir begrüßen uns herzlich und ich versuche die Hausaufgaben mit Anita zu machen, denn sie muss für die Schule die Anwendung des deutschen Genitivs und Dativs lernen. Ich bin erstaunt, wie gut sie das macht und die Mädchen haben viel Spaß beim gemeinsamen lernen.
Heute ging es früh los, denn es sollten wieder drei Schulen eingeweiht und zwischendurch drei weitere für Neuprojekte besichtigt werden. Also kurz „gestärkt“ mit dem kargen Frühstück aus der Mission fuhren wir um 7:20 Uhr los. Edmund nutzt den Tag noch einmal, um an der Berufsschule sein Wissen zu teilen.
Die Strecken sind heute aufgrund der vielen Stops recht kurz. Die Besichtigungen zwischendurch sind spannend und unkomplizierter als die Einweihungen, weil nicht so viele Leute dabei sind.
Auf den Fahrten sind wir immer wieder erstaunt, wie schnell und gut unsere Chauffeure die Wege kennen. In Sarafalao sind wir bei den Klassenbesuchen erstaunt, wie diszipliniert die Kinder sind. Später zeigen sie uns aber, dass sie auch sehr laut sein können. Anselm bekommt eine Ziege geschenkt. Nicht die letzte heute.
In Yeguresso ist die zweite Schuleinweihung. Dort sind wir ein ganzes Stück zu früh, bekommen aber zum warten einen schönen Schattenplatz, wo ich mir einen kleinen Mittagsschlaf nicht verkneifen kann. Danach gibt es eine bunte Einweihung sogar mit einer Schülerin, die die deutsche Nationalhymne singt und einer, die auf deutsch eine Rede hält. Anselm bekommt noch einen Bock geschenkt und wir bekommen gut zu Essen. Reis mit Bohnen und (natürlich) Hähnchen.
Heute ist es deutlich bewölkter und morgens waren es gerade einmal 20 Grad. Nun später am Tag wird es aber wieder ordentlich warm. Arrondissement 3 war unsere letzte Einweihung. Dort bekommen wir noch einmal Hähnchen.
Den Abend lassen wir mit Obst ausklingen und morgen gehts ins Foyer Sainte Monique.
Die wichtigste Aufgabe während unserer Reise nach Burkina Faso ist die Planung der nächsten Projekte. Dazu haben wir für Montag die Schulbehörden und die Delegationen der einzelnen Dörfer/Stadtviertel eingeladen. In unserer Reiseplanung hatten wir den Montagvormittag vorgesehen, aber dann kam es doch ganz anders als erwartet.
Zunächst sind wir am Montag früh sehr erstaunt, dass wir nicht – wie in den letzten Jahren üblich – einen Besprechungsraum auf dem Gelände der Mission erhalten können, mit dem Argument, dass die wartenden Antragsteller die anderen Gäste stören würden. Aber man stellt uns einen Raum in der Nähe zur Verfügung. Wir nutzen das Carport davor als Warteraum, und sehr vorausschauend hat Anselm auch noch Stühle von zu Hause mitgebracht.
Pünktlich sind zwei alte Bekannte von den Schulbehörden da, die uns bei den Sondierungen sehr gut unterstützen, viele Dinge noch einmal erklären und insbesondere Hinweise zur Erlangung der staatlichen Erlaubnis geben können.
Wir bitten die Delegationen, sich nach der Ankunftszeit in eine Liste einzutragen, aber fast alle sind pünktlich um 9:00 Uhr da, denn keiner möchte die Chance verpassen, heute sein Projekt vorzustellen. Damit uns die Sondierung leichter fällt und wir die Situation vor Ort schnell verstehen, füllen alle Antragsteller ein Formular aus. Besonders wichtig für mich ist dabei die Anzahl an Gebäuden, vorhandenen Klassenräumen und die tatsächliche Anzahl der Klassen sowie die Schülerzahlen.
Eine Delegation nach der anderen betritt den Raum. Meist sind es die Schuldirektoren, häufig begleitet von Elternvertretern, Dorfchefs und weiteren Vertretern des Dorfes.
Anselm übernimmt die Vorstellungsrunde, und ich nutze die Zeit, mir anhand des Formulars einen Überblick zu verschaffen. Alle Informationen müssen sofort sorgfältig notiert und gescannt werden, um nachher alle Anfragen gut zuzuordnen. Wir hören uns an, was sich die Delegationen wünschen – zumeist sind es zusätzliche Klassenräume. Dann müssen wir sehr exakt hinterfragen, ob diese notwendig sind: Gibt es wirklich keinen Platz mehr in der Schule? Werden Klassenräume tatsächlich für den Unterricht genutzt oder vielleicht doch als Lehrerzimmer? Gibt es andere leerstehende Gebäude wie Lehrerhäuser oder Bürogebäude, die umgebaut werden können? Und stimmen die Schülerzahlen?
An dieser Stelle wird es für mich immer absurd. Ich arbeite an einer deutschen Grundschule und weiß, wie anstrengend und hart dort die Arbeit in Klassen mit einer maximalen Klassenstärke von 25 Kindern ist. Hier in Burkina Faso sieht die Situation ganz anders aus: Die Schulen sind so überfüllt und der Bedarf so riesig, dass wir in der Grundschule häufig Klassenstärken von über 100 Kindern haben. Und für mich heißt das in unseren Auswahlgesprächen, dass ich Anfragen ablehnen muss, wenn die Anzahl der Kinder unter 100 liegt, denn an anderer Stelle ist der Bedarf noch höher.
Während des Zuhörens und Notierens versuche ich direkt zu markieren, wo neue Projekte sinnvoll sein könnten, denn es ist außerordentlich wichtig, dass wir die gemachten Angaben überprüfen und diesen Schulen in den nächsten Tagen einen Überraschungsbesuch abstatten.
So empfangen wir einen Antragsteller nach dem anderen. Mittags haben wir den Eindruck, dass die Menschenmenge vor unserem Büro gar nicht kleiner wird, und so sind wir erschrocken, dass noch so viele Delegationen warten. Da wir um 16:00 Uhr eine Einweihungsfeier haben, entscheiden wir, auf ein Mittagessen zu verzichten, durchzuarbeiten, das Programm für den nächsten Tag zu ändern und ab 8:00 Uhr die übrigen Delegationen einzuladen.
So haben wir am Ende 48 Anträge vorliegen. Am Abend füge ich die vorhandenen Infos zusammen, und Michael kann so von Deutschland aus mitdenken, wo es Sinn macht, hinzufahren und was die wichtigen Fragen sind.
Dieser Teil der Arbeit stellt sicher, dass wir unsere Spendengelder nur für Projekte ausgeben, die sinnvoll sind und bei denen die Not derzeit am größten ist.
In Bama haben wir wieder eine große Einweihungsfeier. Die Schüler machen viele schöne Vorträge, es gibt einen Jungen, der rappt und mehrere Tanzvorträge. Die besten Schüler der Schule werden geehrt. Das Gymnasium Bama ist im landesweiten Wettbewerb der Zweite Sieger. Das bedeutet, sie haben die besten Ergebnisse von den Schülern in Burkina Faso erzielt. Man merkt, dass das Dorf sehr stolz darauf ist, es wird ausgiebig den Lehrern und den Schülern gedankt. Die besten Schüler werden geehrt und erhalten Urkunden, diese Urkunden werden von den Persönlichkeiten des Ortes überreicht, diese schenken den Kindern Geld als Belohnung dazu. Das Lycée hat über 1500 Schüler. In diesem Schuljahr sind sie ein technisches Gymnasium geworden und haben eine Landwirtschaftsklasse eröffnet.
Für Claudia und Anselm ging es ab 8 Uhr in die zweite Runde Antragsgespräche. Gestern waren so viele Menschen ins provisorische Büro gekommen, dass die Zeit nicht reichte: Die kalkulierte Viertelstunde pro Antragsteller wird meistens überzogen. Alle erhoffen sich eine Zusammenarbeit mit dem Solidaritätskreis.
Der Rest von uns nutze die Gelegenheit für einen Abstecher auf den Stoffmarkt von Bobo. Und war überwältigt von der Auswahl an Farben und Mustern. Die „Pagnes“, so heißen die Stoffbahnen, können direkt vor Ort in maßgeschneiderte Kleider, Hosen und Hemden verwandelt werden. Dafür sitzen Dutzende Tailleurs (Schneider) mitten im Gewusel an ihren Maschinen bereit.
Irgendwie reichte die Zeit noch für ein schnelles Mittagessen. Bevor wir zur Einweihung des Lycée Provincial Mollo Sanou düsten. Das liegt im Sektor 5 von Bobo, etwa 20 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Theoretisch. Je nach Verkehr und Piste kann die Fahrt hier immer länger dauern.
In der drittgrößten Schule des Bezirks erwartete uns eine lärmende Menge: Schüler/innen, Lehrer/innen, Amtsträger/innen und der Dorfälteste. Der Direktor, ein unverkennbarer Charakter, fiel während seiner Rede tatsächlich auf die Knie: Die neuen Schulräume sind schon die dritten, für die er sich eingesetzt hat. Eine kleine Erfolgsgeschichte. Wir hatten alle das Gefühl, dass hier der richtige Mann am Start ist. Die Pagnes haben uns übrigens hier nochmal verfolgt: Claudia, Anselm, unsere Bauingenieurin und Edmund bekamen ein traditionellen Stoff geschenkt.
Nach dem gemeinsamen Snack wurde es auf einmal hibbelig, die Männer verschwanden…der Afrika Cup steckte dahinter. Burkina Faso musste gegen Titelverteidiger Elfenbeinküste ran. Konnte sich aber leider nicht fürs Viertelfinale qualifizieren.
Da heute für Claudia und Anselm die Gespräche mit den Dörfern anstanden, die einen Antrag für eine neue Schule stellen, hatte der Rest der Gruppe etwas Freizeit. Zuerst sind wir mit Edmund in die Berufsschule gegangen in der er letztes Jahr mehrere Tage mit den Lehrern unterrichtet hat. Nadja ist den ganzen Tag mit ihm dort geblieben um mit der Sprache zu helfen. Später sind Klaus, Lukas, Noah und ich mit dem Chauffeur Eric losgefahren um die Altstaddt und Moschee von Bobo zu besichtigen. Besonders witzig war es als wir in einem kleinen Geschäft waren und ich Klaus ein afrikanisches Spiel zeigte dass wir zu Hause oft spielen. Der Verkäufer forderte mich sofort zu einer Partie heraus. Danach wurde ein „Foto de famille“ gemacht. Wenn man bedenkt, dass der Verkäufer mit uns spielt, Fotos macht und noch mindestens drei andere zuschauten und alle bester Laune waren- das ganze um ein Spiel zu verkaufen was nicht einmal 10€ kostet, merkt man dass hier in Burkina Faso wirklich eine andere Welt ist. Die Moschee war sehr eindrucksvoll. Sie wurde im 19. Jahrhundert nur aus Lehm, Stein und Holz gebaut. Danach sind wir auf den Markt gefahren um ein paar Leckereien zu kaufen. Der Markt war auch ein besonderes Erlebnis. Einen schönen Abschluss fand der Nachmittag mit einer tollen Einweihung einer Grundschule in Samagan.
Gestern Abend haben wir bereits die Vorkehrungen getroffen, da wir heute Morgen spätestens um 7:00 Uhr starten. Um 5:30 Uhr klingelte der Wecker. Wir sind aufgestanden, haben schnell unsere Sachen gepackt und alles zu den Pick-ups gelegt. Claudia hat uns auf ein kurzes Frühstück eingestimmt, da wir kaum Zeit haben bis zur Abfahrt um 7:00 Uhr. Mich wundert es, dass das ganze Haus wunderbar nach Omelette roch. Nachdem wir die Moskitodome und alles andere eingepackt hatten, trafen wir uns zum Frühstück. Anselm’s Frau verwöhnte uns mit leckeren Omelette und frischen Baguettes, Kaffee und Papayas. Nachdem die Pick-ups gepackt waren, fuhren wir mit leichter Verspätung um 07.15 Uhr los. Die Straßen in Burkina Faso sind einfach ein Abenteuer. Auf den zweispurigen Fahrbahnen fährt man links und überholt rechts. Immer wieder muss man vor in die Straße eingebaute Buckel bremsen damit die Fahrzeuge langsamer fahren. Nach fast vierstündiger Fahrt konnten wir eine 1/4 Stunde pausieren und einen Cappuccino genießen. Dann ging es weiter zur ersten Einweihungsfeier in Dohoun. Der Bau war ein Erweiterungsbau von der ersten Schule aus dem Jahr 2017. Wir konnten beide Schulen besichtigen und es war alles in bester Ordnung. Anschließend wurden wir ins Dorf zum Mittagessen eingeladen. Wir fuhren weiter zur zweiten Schule, die wir um 15:00 Uhr eingeweiht haben. Diese Schule steht auf einem großen Gelände mit zwei weiteren Schulen vom Verein sowie weiteren Schulen von der Regierung. Nach der Einweihung ging es weitere 2 Stunden bis Bobo Dioulasso. Um 19:00 Uhr sind wir an unserer Unterkunft angekommen und haben im Pavillon vor der Unterkunft, das leckere Obst vom Markt gegessen, um den Tag abzuschließen. Burkina Faso ist ein Traum und ein Abenteuer zugleich.
Heute besuchen wir die Schule in Kari. Diese Schule ist ein großes Gymnasium, sie besteht aus vier Gebäuden und insgesamt 13 Klassenräumen. Die Klassen sind alle sehr gut besetzt, teilweise mit 130 Kindern in der Klasse. Wir haben an diesem Ort 2012 vier Klassen gebaut, 2014 noch einmal erweitert und jetzt die Schule eingeweiht, die wir 2023 erstellt haben. Leider hat die Bevölkerung sich nicht gut an den Baumaßnahmen beteiligt, so dass der Bauunternehmer mit wenigen Angestellten die Schule alleine bauen musste. Ebenfalls wurden keine Bäume gepflanzt, obwohl man sehen konnte, dass der Schatten an den alten Schulen hervorragend ist, wenn man ausreichend Bäumen pflanzt.
Die Klassenräume in dem neuen Gebäude waren gut gepflegt, ebenso die Bänke und sehr schön von den Schülern dekoriert.
Heute konnten wir entspannt in den Tag starten. Nach einer ruhigen Nacht auf der Dachterrasse wurden wir vom Hahn und dem Muezzin der naheliegenden Moschee geweckt. Ein gutes Frühstück mit Baguette und Marmelade, sowie süßen Teilchen hat uns gestärkt losfahren lassen nach Sidogo.
Die Fahrt durch die Stadt zeigt uns auch nochmal die Trockenheit, die gerade herrscht und die Armut der Menschen.
Leider wurden wir zweimal von der Polizei angehalten, so dass wir verspätet bei der ersten Schuleinweihung ankamen.
Dennoch wurden wir sehr herzlich begrüßt und nachdem Claudia mit dem Schulleiter die organisatorischen Dinge geklärt hat begann die Einweihung. Wir sitzen den Dorfbewohnern gegenüber, der Direktor spricht und stellt die Lehrer und Elternvertreter vor. Nach einigen Reden wurden Gastgeschenke ausgetauscht (Claudia hat eine Ziege und zwei Hähne bekommen). Anschließend wurden wir zum Essen eingeladen. Hähnchen, Gemüse, Bohnenstampf haben uns allen geschmeckt. Edmund tanzte danach noch mit den Dorfbewohnern. Auf der Rückreise merkten wir alle unsere Müdigkeit.
Doch der Botschafter wartet und so fahren wir noch auf ein Getränk zu ihm. Es ist interessant seine Sicht zu hören. Er erzählt uns sehr viel über die aktuelle Lage in Burkina Faso.
Bei Anselm konnten wir den Abend wieder ausklingen lassen und jetzt fallen wir gleich schnell ins Bett, denn morgen geht es schon um 7 Uhr wieder weiter.