09.01.2026 von Claudia

Heute Morgen packen wir unsere Taschen in der Mission, denn wir werden die nächsten Nächte in Banfora übernachten. Auf dem Weg dorthin halten wir kurz in einem Dorf an, wo die Leute einen Antrag auf eine neue Schule gestellt haben. Wir möchten uns gerne die Situation vor Ort anschauen und überprüfen, ob alle Angaben stimmen. Dann fahren wir weiter zu unserer Einweihung. Wir sind heute in Wempea 1. Im letzten Jahr konnten wir die Baustelle besichtigen und haben gesehen, wie das Gebäude entsteht.
Als wir ankommen, sehen wir, dass es wohl keine große Einweihungsfeier geben wird. Das ist für uns kein Problem, denn wir haben ja schon viele Einweihungsfeiern miterlebt. Leider stellt sich schon während der Reden heraus, dass es heute sehr schwierig wird. Wir erfahren in den Reden, dass das Dorf sehr froh über die Realschule ist, denn die Kinder hätten lange und gefährliche Schulwege gehabt. Es hätte mehrere Unfälle mit Fahrrädern gegeben und teilweise seien die Mädchen schwanger zurückgekommen. Da es nur eine kleine Einweihungsfeier mit einigen wenigen Leuten ist, halte ich meine Rede spontan. Ich frage das Dorf, ob sie wissen, wofür der Zaun gebaut wurde und sie können mir die Frage beantworten, denn Ihnen ist bewusst, dass sie Bäume pflanzen sollen. Leider wurde seit der Fertigstellung der Schule vor einem Jahr kein einziger Baum gepflanzt. Als ich wie immer mir vom Direktor die Zahlen geben lasse, stellt sich heraus, dass die vier neuen Klassenräume immer noch nicht genutzt werden. Ich versuche meinen Unmut darüber sehr deutlich in Worte zu fassen, Anselm macht es auf afrikanische Art und Weise deutlich diplomatischer. Ich ärgere mich sehr, wenn die von uns finanzierten Projekte nicht umgehend genutzt werden. Der Direktor gibt an, sie hätten keine Lehrer zugewiesen bekommen. Dies habe ich an anderen Schulen schon einmal erlebt, aber nicht in dieser Dramatik. Da Wempea 1 an der Hauptstraße liegt, kann ich mir kaum vorstellen, dass sich nicht ein Lehrer findet, der bereit ist, hier zu unterrichten. Als ich dann noch bei der Besichtigung feststelle, dass viele Bänke, die erst im September von uns geliefert worden sind, schon kaputt sind und nicht repariert wurden, bin ich tief enttäuscht und auch sauer. Der Direktor und die wichtigen Personen aus dem Dorf versprechen die Bänke und die Bäume bis Montag zu reparieren. Wir werden am Montag dort wieder vorbeifahren, ich habe allerdings kaum Hoffnung, dass dann etwas geschehen ist. Manchmal müssen wir wohl akzeptieren, dass es Projekte gibt, die nicht so reibungslos laufen- was für ein Glück, dass dies die absolute Ausnahme ist.
Wir fahren weiter ins Foyer Monique nach Banfora. Nach einer herzlichen Begrüßung von den Schwestern und einigen Kindern, gibt es sogar etwas Zeit für einen Mittagsschlaf, der nach der Aufregung am Morgen gut tut. Am Nachmittag treffe ich mich mit dem Aufklärung Team, und wir haben einen sehr produktiven Austausch . Es ist immer schwierig über WhatsApp oder E-Mail zu kommunizieren, so finden wir gemeinsam viel schneller Lösungen. Es ist interessant, zuzuhören, wie sie arbeiten, welche Probleme sie haben und welche neuen Ideen. Nach einem ausgezeichneten Abendessen schaffe ich es endlich, die Mädchen in ihrem Teil zu besuchen. Wir begrüßen uns herzlich und ich versuche die Hausaufgaben mit Anita zu machen, denn sie muss für die Schule die Anwendung des deutschen Genitivs und Dativs lernen. Ich bin erstaunt, wie gut sie das macht und die Mädchen haben viel Spaß beim gemeinsamen lernen.