Die wichtigste Aufgabe während unserer Reise nach Burkina Faso ist die Planung der nächsten Projekte. Dazu haben wir für Montag die Schulbehörden und die Delegationen der einzelnen Dörfer/Stadtviertel eingeladen. In unserer Reiseplanung hatten wir den Montagvormittag vorgesehen, aber dann kam es doch ganz anders als erwartet.
Zunächst sind wir am Montag früh sehr erstaunt, dass wir nicht – wie in den letzten Jahren üblich – einen Besprechungsraum auf dem Gelände der Mission erhalten können, mit dem Argument, dass die wartenden Antragsteller die anderen Gäste stören würden.
Aber man stellt uns einen Raum in der Nähe zur Verfügung. Wir nutzen das Carport davor als Warteraum, und sehr vorausschauend hat Anselm auch noch Stühle von zu Hause mitgebracht.
Pünktlich sind zwei alte Bekannte von den Schulbehörden da, die uns bei den Sondierungen sehr gut unterstützen, viele Dinge noch einmal erklären und insbesondere Hinweise zur Erlangung der staatlichen Erlaubnis geben können.
Wir bitten die Delegationen, sich nach der Ankunftszeit in eine Liste einzutragen, aber fast alle sind pünktlich um 9:00 Uhr da, denn keiner möchte die Chance verpassen, heute sein Projekt vorzustellen. Damit uns die Sondierung leichter fällt und wir die Situation vor Ort schnell verstehen, füllen alle Antragsteller ein Formular aus. Besonders wichtig für mich ist dabei die Anzahl an Gebäuden, vorhandenen Klassenräumen und die tatsächliche Anzahl der Klassen sowie die Schülerzahlen.
Eine Delegation nach der anderen betritt den Raum. Meist sind es die Schuldirektoren, häufig begleitet von Elternvertretern, Dorfchefs und weiteren Vertretern des Dorfes.
Anselm übernimmt die Vorstellungsrunde, und ich nutze die Zeit, mir anhand des Formulars einen Überblick zu verschaffen. Alle Informationen müssen sofort sorgfältig notiert und gescannt werden, um nachher alle Anfragen gut zuzuordnen. Wir hören uns an, was sich die Delegationen wünschen – zumeist sind es zusätzliche Klassenräume. Dann müssen wir sehr exakt hinterfragen, ob diese notwendig sind: Gibt es wirklich keinen Platz mehr in der Schule? Werden Klassenräume tatsächlich für den Unterricht genutzt oder vielleicht doch als Lehrerzimmer? Gibt es andere leerstehende Gebäude wie Lehrerhäuser oder Bürogebäude, die umgebaut werden können? Und stimmen die Schülerzahlen?
An dieser Stelle wird es für mich immer absurd. Ich arbeite an einer deutschen Grundschule und weiß, wie anstrengend und hart dort die Arbeit in Klassen mit einer maximalen Klassenstärke von 25 Kindern ist. Hier in Burkina Faso sieht die Situation ganz anders aus: Die Schulen sind so überfüllt und der Bedarf so riesig, dass wir in der Grundschule häufig Klassenstärken von über 100 Kindern haben. Und für mich heißt das in unseren Auswahlgesprächen, dass ich Anfragen ablehnen muss, wenn die Anzahl der Kinder unter 100 liegt, denn an anderer Stelle ist der Bedarf noch höher.
Während des Zuhörens und Notierens versuche ich direkt zu markieren, wo neue Projekte sinnvoll sein könnten, denn es ist außerordentlich wichtig, dass wir die gemachten Angaben überprüfen und diesen Schulen in den nächsten Tagen einen Überraschungsbesuch abstatten.
So empfangen wir einen Antragsteller nach dem anderen. Mittags haben wir den Eindruck, dass die Menschenmenge vor unserem Büro gar nicht kleiner wird, und so sind wir erschrocken, dass noch so viele Delegationen warten. Da wir um 16:00 Uhr eine Einweihungsfeier haben, entscheiden wir, auf ein Mittagessen zu verzichten, durchzuarbeiten, das Programm für den nächsten Tag zu ändern und ab 8:00 Uhr die übrigen Delegationen einzuladen.
So haben wir am Ende 48 Anträge vorliegen. Am Abend füge ich die vorhandenen Infos zusammen, und Michael kann so von Deutschland aus mitdenken, wo es Sinn macht, hinzufahren und was die wichtigen Fragen sind.
Dieser Teil der Arbeit stellt sicher, dass wir unsere Spendengelder nur für Projekte ausgeben, die sinnvoll sind und bei denen die Not derzeit am größten ist.


In Bama haben wir wieder eine große Einweihungsfeier. Die Schüler machen viele schöne Vorträge, es gibt einen Jungen, der rappt und mehrere Tanzvorträge. Die besten Schüler der Schule werden geehrt. Das Gymnasium Bama ist im landesweiten Wettbewerb der Zweite Sieger. Das bedeutet, sie haben die besten Ergebnisse von den Schülern in Burkina Faso erzielt. Man merkt, dass das Dorf sehr stolz darauf ist, es wird ausgiebig den Lehrern und den Schülern gedankt. Die besten Schüler werden geehrt und erhalten Urkunden, diese Urkunden werden von den Persönlichkeiten des Ortes überreicht, diese schenken den Kindern Geld als Belohnung dazu.
Das Lycée hat über 1500 Schüler. In diesem Schuljahr sind sie ein technisches Gymnasium geworden und haben eine Landwirtschaftsklasse eröffnet.


